Da sitze ich also Zuhause vor meiner fertig gepackten Tasche, die so groß & voll ist, als wenn ich ein ganzes Wochenende campen fahre. Aber ich fahre morgen nur in meine Box, das CrossFitWerk Berlin, zu meinem 1. 24-Stunden-Workout-Marathon. Alles was ich weiss ist, dass es jede Stunde ein Workout von 3-30min geben wird. Am Ende sollen es alle 24 werden, habe ich mir vorgenommen. Warum man sich das antut? Weil es für mich nach den CrossFit Games Open 2014 die größte CrossFit-Herausforderung ist, sowohl an den Körper, aber insbesondere an den Geist, durchzuhalten und vermutlich trotz Müdigkeit leistungsfähig zu bleiben. Mein Schlaf ist unruhig und ich bin am nächsten Morgen aufgeregt wie ein Kind vor Weihnachten.

In der Box warten schon einige Andere, 14 werden wir nachher sein, die alle 24 Workouts schaffen wollen. Natürlich kommen zu den Workouts auch andere Mitglieder des CrossFitWerk´s hinzu, werden Teil dieses herausfordernden Fitnesstests. Aber wir werden sie auch für unsere Motivation brauchen, da bin ich mir ziemlich sicher. Und dann geht es los. Die ersten Workouts sind kurz & knackig, AMPRAP5, EMOM5, AMRAP8 und ich wiege mich in trügerischer Sicherheit, dass dies gern so weiter gehen darf. Tut es natürlich nicht. Die erste Keule kommt bei Workout #6 mit 50-40-30-20-10 Burpees & Lunges. Wer keinen boxfremden Teampartner gefunden hat, muss da alleine durch. „Buck Furpees“, denke ich, „und dann auch noch 150 Stück“. Was bin ich froh, einen Buddy zu haben. Ab da an zieht die Qualität deutlich an. Eine Clean-Ladder im besten „CrossFit Games Style“, in der ich es bis zum Ende mit 3x100kg schaffe, folgt ebenso wie „1 Meile Buddy Huckepkack Lauf“ und eine „Pullups-heavy Squats-Pyramide“.

Die Zeit zwischen den Workouts wird gefühlt immer kürzer. Dazwischen muss sich erholt, gegessen, mobilisiert und eigentlich immer wieder neu erwärmt werden. Eigentlich. Aber es fällt mir von Stunde zu Stunde schwerer. Ich muss mich zum Essen zwingen, es sind schließlich noch über 12h bis zum ersehnten Ende, die Matratze hält mich von Workout zu Workout länger gefangen. Der Körper bestraft das gnadenlos. Ich merke wie die Oberschenkel, die besonders oft gefordert werden, immer fester werden. Um Mitternacht ist meine Stimmung auf dem Tiefpunkt.

Mittlerweile seit 14h dabei, stehen 3 „Hero“-Lauf-WOD´s an. Darf das „Murph Relay“ noch im „Team of 5“ absolviert werden, heisst es bei „Helen“ und „Griff“ allein die müden Knochen durch fast eisige Temperaturen draussen zu schleppen. Innerlich kotze ich. Running sucks. Dabei könnte ich so schön auf meiner Matratze liegen. Oder noch besser: Zuhause im Bett. Was mache ich eigentlich hier? Doch dann meldet sich mein Ehrgeiz zurück, gibt der schlechten Laune einen kräftigen Tritt, 2/3 sind immerhin bereits geschafft. Und aufgeben ist keine Option. Niemals. Zwischen 3 und 5 Uhr sorgen zwei kurze AMRAP5-WOD´s für fast 90min Schlafpause. Ich schlafe sofort ein, nur um dann in bester Bootcamp-Manier per Militär-Fanfare geweckt zu werden.

Die körperliche Müdigkeit überwiegt den Schlafmangel. Die Muskeln fühlen sich alle schwer und unbeweglich an, ich habe das Gefühl, dass bereits 1kg mehr bei einer Übung eine unüberwindbare Hürde darstellt. Wir beissen uns durch die letzten Workouts und dann kommt es. Das letzte Workout. Ungläubig schaue ich auf die Tafel, „WOD 24“ steht da. Geil. Männer gegen Frauen heisst es im letzten „Lumberjack20“-WOD, ich darf die 20 „Chest to Bar“ Pullups machen, ein letztes Mal 400m laufen, dann ist es geschafft. Wir fallen uns in die Arme, als wenn wir gerade eine Meisterschaft gewonnen haben. Und eigentlich haben wir das auch. Die Meisterschaft über uns selbst. Den Körper zu pushen, obwohl man denkt es geht nicht mehr. Aber es bestätigte sich mal wieder: „The body achieves what the mind believes“! Ich packe völlig KO, aber stolz & glücklich meine Sachen, nein, eigentlich stopfe ich einfach alles in die Tasche. Ich will nur noch nach Hause und in mein Bett. Und endlich schlafen, nur noch schlafen. „Nie wieder“, denke ich noch kurz vor dem Einschlafen. Wohlwissend, dass ich morgen schon wiederganz anders darüber denken werde.

Euer Gerry

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Aller Anfang ist schwer

So ist Gerry zum CrossFit gekommen … über meinen Trainings-Buddy MJay, der an einem CrossFit-Style-Kurs in einem Fitneßstudio teilnahm und mich mal mitgeschleppt hat. Danach war ich echt neugierig, habe mir viele Videos & die CrossFitGames angeschaut, die genau zu diesem Zeitpunkt liefen. Danach wusste ich: DAS will ich auch machen!

Er liebt CrossFit, weil … es für mich die perfekte Mischung aus allem ist, was ich am Sport schon immer geliebt habe. Schwere Gewichte, jedes Workout eine neue Herausforderung, das Trainieren miteinander und das Battlen gegeneinander, das Gefühl von Atemnot & Kotzgrenze nach „Fran“, der Adrenalinschub nach einem neuen PR, aber mehr als alles andere: diese unheimlich geile Community! Und da ist meine KreW und war auch der „German Throwdown“ das beste Beispiel dafür, dass wir – egal wo wir herkommen, egal wie lange oder wie kurz wir diesen Sport betreiben – allesamt gleich hochgradig infiziert & verrückt danach sind und wenn wir zusammenkommen, ist das jedes Mal wie ein grosses Familientreffen! I Love it <3

Lieblings-WOD: „Cindy“ & „Angie“

Nicht-so-gern-WOD: „Diane“

PR’s: Deadlift 185kg – BackSquat 152,5kg – PowerClean 112,5kg

CrossFit-Ziele: an einem Wettkampf teilnehmen und 1x als Volunteer oder Zuschauer zu den “CrossFit Games” fahren