Ann-Katrin oder AnKa wie sie ihre Freunde nennen, ist die einzige deutsche Frau bei den Regionals in Kopenhagen. Wir haben einen Tag vor ihrer Abreise mit ihr gesprochen.

Hi AnKa! Vielen Dank, dass du dir die Zeit nimmst – immerhin ist es ja bald soweit: Du fährst nach Kopenhagen! Wie geht es dir?
Hey, danke mir geht es sehr gut! Und Kopenhagen verdränge ich momentan noch.

Das ist ja auch ‘ne Strategie… Wie sieht dein Training momentan aus?
Immer schön einen Tag nach dem anderen. Seit heute sehr locker, viel Mobility und Skill Training. Ich folge ja „The Training Plan“ von Jami Tikkannen, und der sorgt für eine gute Vorbereitung. Die letzten Wochen waren allerdings hart. (Anm. der Redaktion: „The Training Plan“ ist ein kostenpflichtiger Online-Trainingsplan)

Kannst du uns sagen, warum und wie?
Ja. Ich trainiere zwei Tage, dann habe ich einen Tag Active Rest, dann wieder drei Tage Training und dann einen Tag Pause. An Trainingstagen absolviere ich zwei Einheiten pro Tag. An Active Rest Tagen laufe ich, mache Yoga oder schwimme.

Wie ernährst du dich und nimmst du Nahrungsergänzungsmittel zu dir?
Ich esse Fisch und wenig Fleisch. Wenn ich Fleisch esse, dann Rind – kein Chicken, kein Schwein – und keine Milch. Meine Freunde nennen mich Flexitarier, da ich sehr viel Grünes esse und außerdem versuche, „echte“ Lebensmittel zu konsumieren. Ansonsten ergänze ich meine Ernährung durch die Produkte von Pure Pharma und Eiweißshakes.

Du bist ja die einzige deutsche Frau, die sich für die Regionals qualifiziert hat. Kannst du uns sagen, wie sich das anfühlt?
Ich fühle mich etwas beobachtet 😉 Ich glaube, mit soviel Aufmerksamkeit habe ich einfach nicht gerechnet. Ich bin einfach happy, dass sich so viele Menschen für mich freuen und mir Mut zu sprechen.

Mut?
Ja, Mut –  ich hab nämlich Schiss.

Weil du aufgeregt bist?
Oh ja – am Tag des Wettkampfs bin ich immer durch.

Was machst du dagegen? Hast du eine Routine?
Ja, Musik hören. Sobald ich mich bewegen kann, ist alles gut. Ab dem Warm-Up geht es mir dann schon bedeutend besser.

Wie lange machst du eigentlich schon CrossFit und wie hast du angefangen?
Ich habe im Januar 2012 angefangen, wie alle mit einem Introkurs und den Open 7min AMRAP Burpees – eines meiner ersten WODs.

Seitdem sind ja eigentlich „nur“ zwei Jahre vergangen. Wie hat sich dein Leben verändert?
Hmm, ich würde sagen von Kopf bis Fuß. Ich war schon immer ein eher extremer Mensch und wenn ich etwas machen will, dann mache ich es einfach. Ich habe meinen Job gekündigt, habe mein Leben umgestellt und eigentlich alles dem Sport angepasst. Leider verliert man auch den engen Kontakt zu Leuten, mit denen man gerne Zeit verbracht hat. Denn man ist quasi täglich in der Box und für Leute, die diesen Lebensweg nicht teilen, ist das unvorstellbar. Jede Beziehung in meinem Umfeld muss mit den Umständen zurechtkommen. Von: „Was gibt es zu essen?“, „Ja, ich bleibe nicht so lange!“ oder „Muss ins Bett“ bis hin zu „Nee, da wird geraucht, da will ich nicht hin.“

War dir da schon klar, dass du an Wettkämpfen teilnehmen möchtest oder wolltest du eher Coach sein?
Also, ich war schon vorher Coach und habe ja auch in dem Bereich studiert. Aber ich mochte es schon immer, mich zu messen. Am Anfang habe ich daher weder ans Coachen noch an Wettkämpfe gedacht, weil ich mir selbst nur gesagt hab: „Oh Mann, da liegt einiges an Arbeit vor dir!“ Klimmzüge OHS habe ich vorher nie so gemacht. Aber dann kam die erste Competition und ich hatte Spaß. Und nach einem guten Jahr habe ich dann auch mein Level 1 gemacht.

Und du würdest es bestimmt immer wieder so machen, oder?
Ja, hundertprozentig! Und manchmal fragt man sich, warum man nicht schon viel früher angefangen hat.

Wann hast du gemerkt, dass du vom Niveau her ganz oben mit dabei bist? Oder anders gefragt, dass du das Potenzial zu Deutschland fittester Frau hast?
Letztes Jahr war ich noch 103. Da waren die Muscle-Ups noch nicht da. Ich sehe mein Niveau noch als sehr ausbaufähig an. Man vergleicht sich ja nicht jeden Tag. Und klar, ist es dann cool gewesen, in den OPEN zu sehen, dass man ja gar nicht so schlecht ist. Sagen wir so, ich kenne meine Stärken, aber ich weiß auch ganz genau, wo meine Schwächen liegen. Und solange die da sind, würde ich mich nicht in den Himmel loben.

Cool, dass du so bescheiden geblieben bist! Aber du kannst dir schon auf die Schulter klopfen. Was hast du dir für die Regionals als Ziel gesetzt?
Danke. Darauf bin ich auch stolz. Als Ziel, ja also, nicht Letzte werden? Mein Bestes zu geben und im Handstand zu laufen. Ich habe mich durch das Training in den letzten Wochen schon so verbessert, dass ich einfach nur machen will!

Was rätst du ambitionierten Sportlern, die gerne dahin wollen, wo du schon bist?
Mein Rat: Passion vs. Courage! Du musst dir selbst in den Arsch treten, denn es wird dir niemand helfen können, dein Ziel zu erreichen. Du musst es selbst machen! Dran bleiben! Schlechte Tage gehören dazu und helfen, den Willen weiter zu trainieren. Und nimm Hilfe an. Ahh, und wichtig – NIE vom Aussehen irritieren lassen. Das passiert mir auf Wettkämpfen immer wieder.

Danke AnKa, wir drücken Dir die Daumen! Die letzten Worte gehören dir!
Hmm, wie so oft, weiß ich gar nicht, auf was ich mich da wieder eingelassen habe am Wochenende. Aber man wächst ja an den Herausforderungen. Danke an Phil, Jaime, Isa, Seb und Markus, die immer da sind. Team CFFRA, die sowieso verrückt sind und – oh Mann, das wird lang –  Julian, Leo, Lea, Martin, alle, die in den letzten Wochen mit mir geschwitzt haben und mir Mut zugesprochen haben. Und danke an alle, die mir so tolle Nachrichten schicken!!!

Steckbrief AnKa
Alter: 26
Größe: 177 cm
Gewicht: 70 kg

Fran: 3:54
Fight Gone Bad: 341
Sprint 400m: 1:11

Clean & Jerk: 77 kg
Snatch: 57 kg
Deadlift: 150 kg
Back Squat: 127 kg
Max Pull-Ups: 22

Box: CrossFit FRA

The Training Plan findet ihr hier.