Hallo liebe Kollegen,

heute geht es um das immergrüne Thema „Verzählen“ bei den WODs.
Wir alle kennen das, es gibt des Öfteren jemanden, der sich schwer tut beim zählen der Reps in den WODs und dann noch die falsche Rundenzahl oder Zeit ans Whiteboard schreibt. Ich behaupte jetzt einfach mal dreist, dass dies in jeder Box mal vorkommt, ohne dass dies in irgendeiner Weise abwertend sein soll.

Aber es stellt sich die Frage, wie man dem Phänomen als Coach entgegnet?
Ich persönlich habe da im Laufe der Jahre meine ganz eigene Philosophie entwickelt. Zunächst einmal entspanne ich mich als Coach so zu sagen komplett und differenziere die Situation und auch den Sportler oder die Sportlerin genauer. Denn aus meiner eigenen Erfahrung sind mir zwei Dinge klar. Erstens, das Zählen ist bei manchen WODs ziemlich schwer, wenn man für sich alleine Zählen muss. Versetzt euch nur mal in das letzte Mal, als ihr Fight Gone Bad gemacht habt. Allerspätestens in der dritten Runde sind wir alle durchgeheizt und können uns kaum noch konzentrieren. Da soll mal einer richtig zählen… Zweitens wo steht der Sportler in seiner „CrossFit-Laufbahn“? Damit will ich sagen, ist der oder die Sportlerin Anfänger(in)? Wenn man mit dieser sehr sehr umfangreichen Sportart anfängt, gibt es so viele neue Eindrücke und Techniken, die man erst einmal lernen, verarbeiten und verinnerlichen muss, bevor man sich mal eben nebenher auf andere Dinge konzentrieren kann. Ich persönlich nehme das also bei Anfängern nicht so streng mit dem Zählen, ich bin vielmehr froh, wenn die Technik einiger Maßen gut klappt. Die korrekte Leistung kommt dann sowieso nebenher.

Was ist aber mit den Leuten, die notorisch falsche Scores posten, damit sie die besten Punkte am Whiteboard haben?
Meine Philosophie ist also bei Anfängern und im „normalen“ Training eher nicht den strengen Coach oder Judge zu spielen und gnadenlos „No Reps“ zu verteilen, ich achte mehr auf die Technik.

Aber wie mache ich den Sportlern klar, dass es ungemein wichtig ist, immer die korrekte Punktzahl zu notieren? Ich arbeite da gerne mit impliziten Mittel.
Ich achte zum Beispiel von Beginn an darauf, dass jeder seine Zeiten auf das Whiteboard schreibt. Oft trauen sich Anfänger nicht die Zeiten zu notieren, jedoch verstehen sie schnell den Sinn dahinter, wenn es alle tun. Ich frage also gerne direkt nach beim Sportler selbst. Das hat folgenden Effekt: Wenn jemand ohne großes Aufsehen seine Scores aufschreibt und danach quasi verschwindet, dann ist dies ziemlich einfach. Wenn er aber öffentlich vor der Gruppe danach gefragt wird, dann muss er es mündlich und öffentlich offenbaren. Das ist eine ganz andere Nummer, als schnell zu verschwinden. Schon kommen die korrekten Scores, denn alles andere würde sehr wahrscheinlich auffallen. Das wäre zum Beispiel ein implizites Mittel nach dem WOD.

Während der WODs gibt es auch implizite Möglichkeiten, um Leute zum richtigen Zählen zu bewegen. Zum Beispiel stelle ich mich manchmal neben jemanden, während er gerade mitten im Workout ist und zähle sehr laut für denjenigen die Reps. Ich zähle also demonstrativ korrekt für ihn. Das wirkt ganz gut, denn das kann als so eine Art Wink mit dem Zaunpfahl wirken und das tut es auch. Hierbei lächle ich aber den Sportler demonstrativ an, um ihm so quasi zu sagen „Hey Mann, ich weiß es tut weh, aber alles andere bringt nichts, also genieß es“.

Jedoch mache ich das nicht immer. Ich benutze zum Beispiel auch bewusste Hinweise, die dann wiederrum implizites Verständnis für die Wichtigkeit des korrekten Zählens erzeugen. Jetzt gerade laufen die Open. Dies ist eine wunderbare Gelegenheit, den Leuten zu verdeutlichen, dass die Fairness vorgeht. Zu dieser Gelegenheit, oder auch zu anderen WODs bei denen es wirklich darauf ankommt, sage ich den Leuten vorher sehr deutlich, dass es heute ganz besonders wichtig ist, die Technik korrekt aus zu führen und korrekt zu zählen, damit man auch wirklich vergleichbar ist. Das führt dann dazu, dass die Sportler das dann ohnehin verinnerlichen.

Als letztes Mittel, um die Leute zum korrekten zählen zu bewegen, arbeite ich sehr gerne mit Partner- bzw. Team Workouts. Hierbei entsteht ein ähnlicher Effekt, als wenn ich persönlich für jemanden zähle. Die Partner zählen nämlich füreinander und derjenige, der gerade dran ist möchte sich natürlich auch hier keine Blöße geben oder gar sein Team schlecht darstellen, wenn es ein WOD ist, bei dem sie gegen ein anderes Team arbeiten. Oftmals kann ich beobachten, dass dann sogar die Teampartner anfangen zu judgen oder zu korrigieren, fals die Technik nicht ganz passt. In jedem Fall erzeugt dies immer eine gute Stimmung bei der sich die Teams gegenseitig anfeuern und in einer solchen guten Stimmung besch….. eigentlich niemand.

Meiner Erfahrung nach führen all diese impliziten Mittel dazu, dass die Leute auch wirklich korrekt zählen und sehr schnell verstehen, dass es im Endeffekt lediglich um die Verbesserung der eigenen Fitness anhand von Zahlen geht. Und dass sie sich an Ende nur selbst hereinlegen, wenn sie nicht korrekt zählen.

Ich hoffe es war vielleicht die ein oder andere Idee für euch dabei und der Artikel hat euch gefallen. Wenn ihr Fragen habt, schreibt mir, ich freue mich.

Euer Johann
Photo by quinn.anya