„Die Bundesjugendspiele von heute?“

Die diesjährige Cry Me A River-Challenge hat im Bereich CrossFit Kids Geschichte geschrieben. Erstmals konnten Kinder und Jugendliche aus Deutschland, Österreich und der Schweiz an einem großen CrossFit-Wettbewerb teilnehmen. Eine tolle Idee von Ralph Pfeifer und seinem Team und doch auch eine mutige, denn gerade im Bereich CrossFit Kids scheinen die Vorbehalte gegen Wettkämpfe doch größer zu sein.

Vorrangig geht es bei CrossFit Kids um Spaß – um Spaß an der Bewegung und an der eigenen körperlichen Leistungsfähigkeit. Für Kinder zählen im CrossFit-Training weniger die PRs oder Bestzeiten, sondern die Freude daran, Freunde zu treffen und sich mit ihnen gemeinsam auszupowern. Wettkämpfe werden oft mit Stress und Versagensängsten in Verbindung gebracht. Aber warum? Vielleicht haben das die Kinder durch die Bundesjugendspiele in der Schule so erfahren, wo es auf sportliche Leistung Noten gibt – und sind wir ehrlich, die Noten beziehen sich NIE auf die Mühe, die sich einer gibt, sondern immer auf die messbare Leistung, die nun einmal viel von Talent abhängt. So werden Versagensängste und Sanktionen mit Wettkämpfen untrennbar in den Köpfen der Kinder verankert. Beim CrossFit ist das anders. Es geht darum, sich anzustrengen, sein Bestes zu geben – und es gibt sicherlich hinterher keine Noten, solange alle nur ordentlich verschwitzt die Box verlassen. CrossFit bringt Spaß am Sport – machen wir das mit einem Wettkampf nun kaputt?

Das erste Experiment war die CMAR-Quali. Fast 40 Jungs und Mädels von sieben bis 17 Jahren waren angemeldet und um allen gerecht zu werden, wurden die Youth-Workouts völlig ohne Gewichte gestaltet. Und siehe da, mal war ein Älterer vorne, mal waren die Kleinen im Vorteil. Denn kein 15-Jähriger schmeißt sich mehr bei Burpees so rücksichtslos auf den Boden wie ein Neunjähriger 😉 Die Kids hatten großen Spaß in der Quali. Sie waren aufgeregter als im normalen Training, aber das gehört dazu. Da muss man sie nicht in Watte packen, denn letztlich bereitet sie das auch aufs Leben vor. Manchmal gilt es eben.

Wie die „kids“ sich nach dem ersten WOD gefühlt haben, erzählen uns Emily und Moritz im Interview.

Danach kam das Finale. Da kamen doch einige Ängste dazu: „Was, wenn ich die Übungen nicht verstehe?“ oder „Was, wenn ich nur No-Reps kriege?“ Auch die Finals-WODs waren ohne Gewichte, aber dafür in zwei Runden aufgeteilt, damit der Druck weniger wird, dass von genau diesem einen WOD alles abhängt. Die Judges haben das großartig mit den Kids gemacht, haben sich Zeit für sie genommen und keiner hat nur No-Reps bekommen. Das Finale hat gezeigt: Spaß und Aufregung schließen sich nicht aus, es kann ja auch positiven Stress geben. Stress, der beflügelt. Die Kinder waren dabei und mittendrin und das war unglaublich wichtig für sie, das war die Anerkennung für ihr stetiges Training zuhause. Sie hatten die gleichen Teilnehmerbändchen ums Handgelenk wie die Erwachsenen, sie wurden angefeuert wie die Großen und standen im Mittelpunkt. Und was gerade für diese zwölf Kids, die wir in Ilshofen gesehen haben, so unglaublich war: Sie waren die ersten. Sie waren diejenigen, die es in der Hand hatten, zu zeigen, ob CrossFit-Wettkämpfe für Kids Sinn machen.

Und nach dem Finale gibt es ein lautes JA.  Natürlich gab es mit Klaudia, Justin und Moritz drei absolut verdiente Sieger, aber zu Siegern gehören nicht unmittelbar „Verlierer“, denn die gab es nicht. Keines der Kinder im Finale hatte zu irgendeinem Zeitpunkt das Gefühl, verloren zu haben. Wettkämpfe nehmen den Kindern nicht den Spaß am CrossFit. Kaum waren wir aus Ilshofen zuhause, wurden Springseile bestellt, alte Besenstiele in Kinderzimmer geschleppt und Rudergeräte auf die Wunschliste für Weihnachten gesetzt. Die Kids haben spätestens jetzt richtig Feuer gefangen. Natürlich brauchen wir nicht viel mehr Wettkämpfe für Kids. Die älteren, für die bald der Übergang zu den Individuals ansteht, trainieren auch zuhause schon viel mit Gewichten und sind dem CrossFit Kids-Alter ohnehin bald entwachsen. Die kleineren haben noch Jahre im Kids-Bereich. Wir brauchen nicht jedes Wochenende einen Wettkampf, aber wir brauchen weiterhin die Youth-Challenge bei CMAR – ja, Ralph, da kommst du nicht mehr raus 😉 Die Kids hatten riesigen Spaß bei CMAR 2014 und daran hätten wir eigentlich auch nicht zweifeln sollen, denn hey, wir sind CrossFitter! Ich glaube, in keiner Sportart gibt es weniger Konkurrenzverhalten im Wettkampf als bei uns. Und ist es nicht genau das, was wir den Kids mitgeben sollten?

Ein Beitrag von Eva Schaab, CrossFit Mainz

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