Deutschlands Kinder bewegen sich zu wenig. Hängen nur vor Fernseher und PC rum. Haben motorische Defizite. Studien und Weltuntergangsstimmung verbreitende Meldungen gibt dazu genug. Was es weniger gibt: Eine Erklärung und eine Lösung für das Problem. Natürlich haben die Kinder heute mehr zu tun mit der Schule und dem Lernstress, aber Bewegung ist auch durch andere Faktoren in ihrem Alltag zurückgedrängt worden. Freunde treffen sich nicht mehr draußen auf der Straße und toben bis zum Abendessen. Sie sitzen im Zimmer und gucken auf ihre iPhones. Man muss morgens nicht mehr zum Bus laufen – oder rennen, weil man verschlafen hat –, nein, Mama fährt einen im SUV zur Schule. Für’s Fußballspielen hat Papa auch weniger Zeit, Baumhaus bauen ist eine Seltenheit. Es scheint, als würde Kindern immer mehr eingeflößt, dass geistige Leistung und Verhalten mehr zählt als körperliches Leistungsvermögen. „Arbeit“ – das verbinden die meisten Kinder nur noch mit Lernen. Natürlich ist das jetzt überspitzt formuliert. Wirklich schade ist vor allem, dass die Schule, die jetzt so einen großen Raum einnimmt, es nicht schafft, den Kindern Spaß am Sport, an Bewegung, an körperlicher Leistung zu vermitteln. Sportstunden werden gekürzt, jedes Jahr die gleichen öden Bundesjugendspiele abgefeiert.

CrossFit funktioniert bei Erwachsenen. Es holt Bürohengste aus dem Sessel, hält Feuerwehrleute fit und hilft Studenten über Prüfungsstress. Es funktioniert genauso bei Kindern. Der Großteil unserer Kids-Kurse besteht aus Kindern, deren Eltern ebenfalls CrossFit machen. Kinder, die sehen, welche vielfältigen Benefits ihre Eltern davon haben. Aber es gibt auch viele, deren Eltern keinen Sport machen. Wir hatten eine Fußballmannschaft aus Achtjährigen und einen Sportkurs in der zehnten Klasse – es funktioniert. Natürlich variieren auch hier die Anforderungen „by degree, not by kind“. Durch die vielfältigen Anforderungen beim CrossFit findet jeder etwas, das er gut kann – es steigert das Selbstbewusstsein, der Ruderkönig im Kids-Kurs zu sein. Jeder findet aber auch genug, worin er sich üben muss – achtjährige Fußballer ganz besonders.

Ein wichtiges Prinzip im Kids-Kurs ist, dass wir alle WODs als AMRAP machen. So ist keiner als erster fertig und keiner als letzter. Wenn es keinen Ersten und keinen Letzten gibt, ist auch die Motivation, mal die ein oder andere Wiederholung zu unterschlagen, geringer. Das Ergebnis am Ende ist ohnehin nicht so wichtig, weil es eigentlich jede Woche anders aussieht. Keiner ist beim CrossFit immer der Beste. Ist wie im echten Leben. Die Kinder entdecken nach und nach, wofür ihr Körper geschaffen wurde – nicht um acht Stunden auf einem Stuhl zu sitzen und den Kopf für den ganzen Lernstoff zu tragen. Sie merken, wie es ist, sich für etwas körperlich anstrengen zu müssen, wenn man es wirklich will. Und sie merken, wie großartig es ist, etwas mit Durchhaltevermögen und körperlicher Leistung zu erreichen, was man nie für möglich gehalten hat. Und die jüngeren Kinder haben einfach Spaß daran, sich gemeinsam zu bewegen und zu spielen. Und darum geht es: Spaß am Sport und an der Bewegung.

Ja, und dann ist da noch die Sache mit den Gewichten. Kinder haben im Kids-Kurs nie nie niemals Gewichte zu hohe in der Hand. Außer einem maximal ein Kilo schweren Ball, den sie werfen. Ab acht Jahren fangen wir mit leichten Kettlebells an – die 3 kg-Kettlebells sind bei den Jungs extrem unbeliebt. Nicht wegen des Gewichts. Aber sie sind rosa. Für Deadlifts dürfen es dann auch mal vier oder sechs Kilo sein – wer schon mal einen Schulranzen hochgehoben hat, weiß, dass wir die Kinder besser auf sowas vorbereiten als es ihnen „ersparen“ zu wollen. Erst die Teenagerab 13 Jahren fangen an, mit der Langhantel zu arbeiten. Und sie betrachten die leere Barbell mit sieben bis 15 Kilo fast ehrfürchtig, denn sie wissen, dass sie sich das hart verdient und erarbeitet haben. Krafttraining im klassischen Sinne ist für Kinder ohnehin wertlos. Bei Kindern werden die Muskeln nicht durch schwere Gewichte gekräftigt, sondern ihre „Kraft“ entsteht durch viele Wiederholungen mit minimalem Gewicht, bei denen die motorische Ansteuerung sich festigt.

Unseren Kids-Kurs gibt es jetzt seit fast einem halben Jahr. Wir haben einen Kids-Kurs für Vier- bis Siebenjährige, einen PreTeens-Kurs bis zwölf Jahre und einen Teens-Kurs für die Ü13-Fraktion. Alle drei Kurse laufen gut. Viele Trainer, die überlegen, mit Kindern zu arbeiten, denken, sie würden den „Anforderungen“ nicht gerecht. Das ist Quatsch. Kinder stellen gar keine Anforderungen. Die wollen, dass man sie mag und sie anständig behandelt. Und sie wollen Spaß haben. Ist doch nicht so schwer. Ich kann allen nur raten: Macht es! Besucht den Kids-Certification-Kurs und legt los. Bei den Erwachsenen im CrossFit könnt ihr nur noch den Weg begleiten, ihn korrigieren. Den Kids könnt ihr einen gesunden Lebensweg vorgeben. Denn sie stehen noch ganz am Anfang.

Eva SchaabEva MainlandGames

– CF Lev.1
– CF Kids
– CF seit 2012
– leidenschaftliche Reiterin seit 15 Jahren

Hier könnt Ihr die CF Kids Kurse ausprobieren :

CF Mainz

MO, 16.45 Uhr (Kids), FR, 16.15 Uhr (PreTeens) und FR, 17 Uhr (Teens)

 

 

Anm. der Redaktion: DANKE EVA!

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