Vor 15 Jahren habe ich das erste Mal Yoga gemacht. Seitdem hat sich vieles in meinem Leben verändert. Und genauso wie ich mich weiterentwickelt habe, hat sich auch meine Yogapraxis stetig weiterentwickelt. Für mich ist Yoga ein direktes Spiegelbild meines Herzens und meiner Seele. So wie ich Yoga praktiziere und unterrichte, so bin ich auch. Aber ganz besonders seitdem ich CrossFit mache, hat sich meine Yogapraxis in eine neue Richtung entwickelt: Ich bin jetzt stärker und leistungsfähiger während ich gleichzeitig achtsamer und flexibler geworden bin- sowohl körperlich als auch mental. Dass das eine das andere nicht ausschließt und auch nicht nur ergänzt sondern von einander abhängt ist das Herzstück der Verbindung von Yoga und CrossFit.

Meine Top 10 warum CrossFit und Yoga eine perfekte Symbiose bilden:

1. Der Körper ist nur die Fassade

Die allgemeine Befürchtung, dass man für Yoga super beweglich sein muss geht Hand in Hand mit dem Eindruck CrossFit sei nur was für Spitzenathleten. Aber Yoga ist nicht nur die Dehnungsübung genauso wenig wie CrossFit nur das WOD ist. Yoga ist nicht der Spagat und CrossFit ist nicht der Muscle-up. Und nur weil du 100kg heben kannst bist du noch lange kein Crossfitter genauso wenig wie ein Kopfstand den ultimativen Yogi ausmacht. Beim CrossFit trainieren wir „to not suck at life“ und Yoga machen wir hauptsächlich um unseren Geist zu beruhigen. Der Körper ist dabei lediglich Mittel zum Zweck- wichtiger ist der Mensch der ihn belebt.

2. Körper und Geist in Einklang bringen

Im ersten Moment klingt das für manche esoterisch, aber die Bedeutung ist sehr einfach und pragmatisch: Im Hier und Jetzt zu sein und sich auf das Wesentliche zu fokussieren. Unser Körper ist automatisch immer im Hier und Jetzt, aber unsere Gedanken sind oft entweder in der Zukunft oder in der Vergangenheit. Wir erreichen in unserem Alltag deshalb so wenig, weil wir einen undisziplinierten Geist haben. Wir vermasseln das Vorstellungsgespräch, weil wir nicht zentriert sind. Wir vermasseln den Snatch, weil unsere ständig plappernden Gedanken uns den Fokus nehmen. Yoga und CrossFit sind Weg und Ziel zugleich: Indem wir uns beim Yoga gleichzeitig auf den Körper und die Atmung konzentrieren, disziplinieren wir unseren Geist. Und jeder, der beim CrossFit schon mal ein 21-15-9 Workout auf Zeit gemacht hat, weiß was es bedeutet sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.

3. Just do it

Wenn wir beim CrossFit einen Handstand üben oder beim Yoga eine Verrenkung, dann tun wir das nicht um perfekt dabei zu sein. Der Weg ist das Ziel und der Spaß steht im Vordergrund. Es geht nicht um’s Können sondern um’s Machen. Ein Baby sagt sich auch nicht: „Ich bin noch nie gelaufen, also kann ich es nicht. Ich versuche es am besten gar nicht erst, sonst könnte ich mich eventuell blamieren.“ Wir können in diesem Sinne viel von der Mentalität der Kinder lernen, was mich zum nächsten Punkt bringt:

4 Anfänger-Geist

Oder auch „Empty Mind“ genannt. Im Buddhismus wird der Anfängergeist mit einer leeren Reisschale verglichen: Wenn die Schale schon voll mit Reis ist, kann kein neuer Reis rein. Kinder haben diesen Anfängergeist, weil sie nicht vorgeben alles zu wissen und sie haben auch keine zehn Argumente im Hinterkopf warum x oder y nicht funktionieren sollte. Sie machen deshalb täglich neue Erfahrungen und lassen die Dinge mehr auf sich zu kommen. Dementsprechend können wir nichts Neues lernen, wenn wir glauben schon alles zu wissen oder zu können. Zum einen bedeutet das über sich hinaus zu wachsen indem man Neues ausprobiert und zum anderen heißt das auch, auf jemanden zu hören (z.B. auf deinen Coach), der es besser weiß.

5.Nicht schnell und einfach

Heutzutage muss alles immer schnell und einfach sein. Die Wunderpille gegen Übergewicht, die 10 Tage Diät etc. Vieles scheint  zu schön um wahr zu sein . Niemand geht zum Training und sagt sich „Ich bin jetzt fit genug und muss nie wieder Sport machen“. Natürlich nicht! Sobald du mit dem Training aufhörst, schrumpfen deine Muskeln. Genauso ist es mit dem mentalen und spirituellen Muskel. Wenn du nicht stetig daran arbeitest deine Gefühle und Gedanken zu zentrieren, wirst du Chaos und Unzufriedenheit in deinem Leben wieder finden. Alles was irgendeinen Wert hat, erfordert auch entsprechenden Einsatz. Was Yoga und CrossFit beide jedoch versprechen ist, das jeder, der konsequent und aufrichtig übt, es schaffen kann fitter, beweglicher und gesünder werden.

6. Back to Basics

Yoga ist eine uralte Tradition und wie viele schon erkannt haben, sind die Übungen beim CrossFit auch nichts Neues. Beide Trainingsformen setzen auf natürliche Bewegungsmuster ohne großen Hokus Pokus oder irgendein großes Geheimnis. Die Art der Verpackung macht beide Trainingsformen jedoch so einzigartig und effektiv, deshalb ergänzen sie sich auch so wunderbar.

7. Stabilität und Flexibilität

Sowohl beim CrossFit als auch beim Yoga brauchen wir bei den meisten Übungen Flexibilität und Stabilität. Durch die verbesserte Beweglichkeit in Schulter und Hüfte, fällt uns der Overhead Squat oder der Squat Snatch z.B. sehr viel leichter. Durch die regelmäßige Stärkung der Schultermuskeln beim Crossfit schütteln wir Übungen wie seitliche Planke oder den herabschauenden Hund beim Yoga wie aus dem Handgelenk.

8.Keep cool

Yoga schenkt uns ein Gefühl von Gelassenheit und Ruhe. Wir lernen im Alltag mehr Geduld mit allem zu haben, nicht sofort zu reagieren, werden mehr zum stillen Beobachter, handeln effizienter und bleiben uns dabei treu. Beim CrossFit kommt uns diese Gelassenheit nur zu Gute! Zum Beispiel in einem Workout auf Zeit: Jeder, der schon mal in der ersten Minute „all out“ gegangen ist, weiß wie hart der Einbruch sein kann bevor das Workout ansatzweise zu Ende ist. Wenn du in dir selbst ruhst, besitzt du die Klarheit und das Selbstbewusstsein genau das richtige Tempo zu finden um das Workout bestmöglich zu absolvieren.

9. Dankbarkeit

Wir lernen beim CrossFit zwar immer wieder unsere körperlichen Grenzen kennen, aber wenn wir auf das 1. Training zurückblicken sehen wir Fortschritte, die wir nie für möglich gehalten hätten. Unser Körper hat sich währenddessen angepasst und weiterentwickelt sodass wir jetzt Dinge tun können (Klimmzüge, auf Händen gehen, etc.), die wir vorher nicht konnten. Das macht uns nicht nur stolz sondern auch dankbar was unser Körper alles kann. Indem wir den Kontakt zu unserem Körper durch Yoga verbessern, lernen wir ihn besser zu verstehen. In dieser Ruhe erkennen wir unter welchen Stress wir unseren Körper tagtäglich setzen, die negativen Selbstgespräche und die ständige Vernachlässigung seiner Bedürfnisse. Wir erkennen, dass unser Körper uns trotz allem bedingungslos liebt und immer weiter für uns funktioniert – fast unabhängig davon was wir ihm antun. Durch Yoga können wir ihm etwas Dankbarkeit und Liebe zurückgeben.

10 Eine unbequeme Wahrheit

Egal ob du Yoga oder CrossFit machst, es wird anfangs (oder eigentlich immer) wehtun. Tja Leute, was soll ich sagen? Die Wahrheit tut halt manchmal weh…

Ich hätte ungelogen noch 20 weitere Punkte aufführen können warum CrossFitter unbedingt Yoga machen sollten. Aber ich denke das langt erstmal und hoffe in euch allen zumindest ein wenig Neugier geweckt zu haben!

Ein Punkt vielleicht noch zum Abschluss …

Yoga und CrossFit werden oft mit Religion oder gar einer Sekte verglichen. Hier ist der Reality Check Leute: Yoga ist eine spirituelle Praxis und beansprucht aus diesem Grund schon mal kein Monopol eines bestimmten Glaubens. Ganz im Gegenteil: Yoga ist nicht dogmatisch, Yoga ist frei. Yoga öffnet dein Herz. Yoga akzeptiert dich genauso wie du bist. CrossFit tut dasselbe! Beim CrossFit kommen unterschiedliche Menschen mit unterschiedlicher Herkunft und Glauben zusammen um ein gemeinsames Ziel zu verfolgen: Fitter zu werden. Wenn wir deshalb eine Sekte sind, na dann…. in WOD we Trust!

Anm. der Redaktion: DANKE ELLI!

Elli-Hachmann

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