Hallo Henry! Du bist unserem Aufruf auf facebook gefolgt und hast Dich für ein Interview bereiterklärt – dafür vielen Dank 😉
Veganer müssen mit einer Menge Vorurteilen kämpfen. Kennst Du das auch?
Ja klar, da ist alles dabei: Veganer nehmen nicht genügend Protein/Vitamine zu sich. Veganer können ja eigentlich gar nichts mehr essen außer langweiligem Salat. Vegan ist ungesund. Vegan ist super kompliziert. Das stimmt natürlich alles nicht. Solche Vorurteile entstehen einfach durch einen Mangel an Informationen. Ich versuche im Gespräch dann einfach, locker zu bleiben und die fehlenden Informationen zu geben.
Erstaunlicherweise habe ich bisher aber von Crossfittern weniger Sprüche gehört als von anderen Leuten. Vielleicht, weil der eine oder andere Crossfitter Paleo isst oder Zone, und deshalb selber oft mit Vorurteilen konfrontiert wird. Da wird man dann vielleicht etwas toleranter gegenüber anderen Ernährungsweisen.

Seit wann bist Du komplett vegan und warum?
Seit knapp 2 Jahren. Ich war davor mein Leben lang passionierter Fleischesser. Durch meine Freundin, die aus ethischen Gründen schon ihr halbes Leben Vegetarierin ist, habe ich aber mehr und mehr auf tierische Produkte verzichtet. Seit Anfang 2013 trainiere ich bei CrossFit HH. Im September 2013 konnte man bei uns in der Box die Whole Life Challenge machen. Mit meiner Freundin habe ich daran teilgenommen und zwei Monate lang vegan gelebt. Seitdem sind wir dabei geblieben. Anfangs ging es mir vor allem um die gesundheitlichen Vorteile, die eine pflanzliche Ernährung hat. Erst mit der Zeit habe ich mich dann auch mit den Zuständen in der Tierindustrie beschäftigt und z.B. den Film »Earthlings« gesehen. Was wir anderen Lebewesen täglich an Grausamkeiten antun für unseren Genuss, ist einfach unerträglich. Dazu kommen die schweren Umweltschäden, die durch die Tierindustrie verursacht werden. Heute bin ich zu 100% aus ethischen Gründen vegan und genieße es, dass diese Haltung nebenbei auch noch meiner Gesundheit gut tut.

Nun hält sich seit etlichen Jahren das Gerücht, dass nur aus Fleisch auch Fleisch, sprich Muskeln, werden kann. Wie stehst Du dazu?
Das ist glücklicherweise nur ein Gerücht. Man kann sehr gut Muskeln aufbauen mit einer rein pflanzlichen Ernährung und sportlich aktiv sein. Es gibt einige sehr erfolgreiche Leistungssportler, die vegan leben. Da sind z.B. einige Triathlethen dabei, sowie Football- und Basketball-Spieler. Aber eben auch diverse Bodybuilder und der deutsche Strongman Patrik Baboumian. Das sind hervorragende Beispiele dafür, dass man vegan sowohl im Ausdauersport erfolgreich sein kann als auch in Sportarten, die eine große Muskelmasse und Kraft erfordern.

Ein weiterer Punkt, der häufig in Frage gestellt wird, ist die Protein(unter)versorgung und der damit verbundene Muskelaufbau. Wie deckst Du Deinen Proteinbedarf?
Das ist ziemlich einfach. In so gut wie allen normalen Lebensmitteln ist Eiweiß enthalten, selbst in Obst oder Gemüse. Ist ja auch logisch, woher sollten sonst die ganzen pflanzenfressenden Tiere das Protein für ihre Muskelmassen herkriegen? Die essen ja kein Bacon oder Steak 😉
Aber im Ernst: Mit pflanzlicher Ernährung ist mein Grundbedarf an Eiweiß auf jeden Fall gedeckt. Ich habe das tatsächlich mal eine Woche lang akribisch notiert und ausgerechnet und war selbst erstaunt, wie viel Eiweiß ich einfach so zu mir nahm. Durch CrossFit entsteht dann natürlich ein zusätzlicher Bedarf. Den decke ich mit Tofu und Tempeh, Hülsenfrüchten sowie pflanzlichen Proteinshakes mit Hanf- oder Erbsenproteinpulver.

Hast Du in irgendeiner Form das Gefühl, dass Du als Veganer Leistung einbüßen musst?
Nein, das Gefühl habe ich nicht. Natürlich kann ich keine Aussage darüber treffen, wie ich mich alternativ entwickelt hätte als Fleischesser. Aber meine Leistungen gehen konstant immer nach oben. Ich verbessere mich regelmäßig bei den WODs und knacke meine Weighlifting-PRs. Ich bin absolut zufrieden. Ich sehe das aber auch bei den anderen Veganern in unserer Box, die alle konstant gute Leistungen bringen und sich ständig weiterentwickeln. Allen voran unsere Coach Särri, die ja der beste Beweis dafür ist, dass man vegan auch erfolgreich CrossFit-Competitions bestreiten kann.

Was sind die Hauptlebensmittel, von denen Du Dich ernährst?
Für mich überlebenswichtig sind Bananen, von denen ich täglich mindestens zwei bis drei esse, als Snack zwischendurch oder nach einem WOD. Ansonsten ernähre ich mich von ganz normalen Lebensmitteln, die auch die meisten Fleischesser regelmäßig essen. Also Obst und Gemüse, Kartoffeln, Reis und Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne und Samen, pflanzliche Öle. Außerdem Milchprodukte, z.B. Hafermilch, Soja- und Mandelmilch, Sojajoghurt und (grade erst entdeckt und superlecker!) Kokosjoghurt. Regelmäßig Tofu und Tempeh, oder auch Seitan. Ich achte darauf, jeden Tag aus allen diesen Gruppen mindestens ein Lebensmittel zu mir zu nehmen und die Kombinationen ständig zu verändern. Sozusagen »Constant variied healthy Foods« 😉

Wir bedanken uns für das Interview & die super Illustration und wünschen Dir weiterhin viel Erfolg!
Die letzten Worte gehören Dir.
Cool, dass Ihr das Thema hier ansprecht! Veganismus ist definitiv kein kurzfristiger Gesundheitstrend, der nächstes Jahr durch irgendeine neue Diät abgelöst wird. Es ist eine nachhaltige und ethische Einstellung, die sich perfekt mit einem gesunden Lebensstil und CrossFit ergänzt.
Und es war noch nie so einfach wie heute, sich vegan zu ernähren. Es gibt ohne Ende gute Kochbücher, tolle Rezepteblogs oder auch vegane Probierwochen, bei denen man Rezepte per E-Mail zugeschickt bekommt. Das Angebot an Produkten und Informationen wächst täglich und im Bereich Fitness tut sich einiges (vegane Supplements, Proteinshakes, Powerriegel, usw…). Speziell zum Thema Weightlifting und Muskelaufbau als Veganer findet man im Netz ausführliche Informationen. Ich kann jeden nur ermutigen, es mal auszuprobieren. In diesem Sinne: No Excuses! Eat like you give a damn and hit your WODs hard 🙂

Illustration: www.tastethecake.de