Mein Coach ist scheisse!

Solche Aussagen hört man immer wieder, wenn es um das Vermitteln von Techniken geht.
Wir haben uns gefragt, was denn eigentlich einen guten Coach ausmacht.
Fangen wir mit dem Begriff „Coach“ an.

Der Begriff Coach ist keine offizielle Berufsbezeichnung und kann weder erlernt noch erworben werden. Jeder, dem der Titel gefällt, darf sich demnach Coach nennen.
Aaaaaber… nicht jeder sollte es!

Was unterscheidet den Titel Trainer von dem Titel Coach?
Trainer bist Du nachweislich durch ein Zertifikat. Den Titel Coach musst Du Dir verdienen. In der (amerikanischen) Fitness-Industrie gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einem „Trainer“ und einem „Coach“.  CrossFit Level 1 (www.training.crossfit.com) Trainer ist man nach einem Wochenend-Seminar sowie bestehen der schriftlicher Prüfung. CrossFit Coach darf man sich allerdings erst mit dem bestehen/erreichen des CrossFit Level 4 Scheins nennen. Dieser setzt  u.a. hunderte von Arbeitsstunden als Trainer, mehrere Seminare und schriftliche Prüfungen, sowie Evaluationen des CrossFit Seminar Staff voraus. Auch andere Coaches, z.B. Strength and Conditioning Coaches gehen nach Erwerb ihres Trainerscheins oftmals noch viele Monate/Jahre in die Lehre bei einem erfahrenen Coach und sind zunächst „nur“ Assistant Coach.

Aber berechtigt es jeden, sich direkt Trainer/Coach zu nennen und sein Wissen, im schlimmsten Fall nur aus der Theorie, direkt zu vermitteln?
Wir meinen: Nein!
Ohne ein gutes, sportliches Grundwissen sollte sich niemand in diesen Job wagen.
Es gehört weitaus mehr dazu sich Trainer oder gar Coach in einer Box nennen zu können.
Dies fängt bei der mentalen Fähigkeit an, andere zu motivieren und geht bis dahin, Athleten in einigen Fällen vor sich selbst (bzw. ihrem Ego) zu bewahren. Dies geht nur, wenn der Coach für seinen Sport und somit für seinen Job brennt. Leidenschaft und Hingabe sind die Grundvoraussetzungen dafür.

Des Weiteren sind Erfahrungswerte fundamental, wenn es um das Vermitteln von sauberen Techniken geht. CrossFit ist vielfältig und sehr anspruchsvoll. Es sollte klar zwischen guten „Allroundern“ und „Spezialisten“ unterschieden werden.

Für Coaches und Trainer gilt:

  • Scheiss auf PRs wenn die Basis nicht stimmt.
    Wir sehen es in Boxen & auf Events. Einige Coaches pushen ihre Athleten, oder die Athleten sich selbst, hohe Gewichte zu stemmen. Kein Pokal auf der Welt ist körperliche Folgeschäden wert! Liebe Coaches: Proper Form before Weights!
  • Falsches Ego.
    Auch als Coach bricht man sich keinen Zacken aus der Krone, wenn man sich und anderen eingesteht, etwas nicht perfekt zu beherrschen.
    Wenn ein neues Mitglied in eine Box kommt um mit CF zu starten und vorher 15 Jahre lang Weightlifting betrieben hat, dann ist es keine Schande sich in seinem Fachbereich belehren zu lassen und von seinen Erfahrungen zu profitieren.
  • Der Coach muss nicht zwangsläufig „der Beste“ Athlet in der Box sein.
    „Ich stemme mehr als mein Coach – was will er mir denn noch zeigen?“
    Das Eine hat mit dem Anderen absolut nichts zu tun. Ein guter Coach muss gut vermitteln können und hat meistens die „Gabe“ dazu. Das Lehren ist sein Job.
  • Fachbereich
    Entweder Du kannst alles ein wenig oder eines richtig gut. Stehe dazu! Bleibe authentisch und stehe zu Deinen Stärken und Schwächen.
  • Bilde Dich weiter
    Du hast Deine B-Lizenz in der Tasche und Deinen Level 1. Glückwunsch!
    Der Sport entwickelt sich weiter – Du solltest es auch! Besuche Seminare & Schulungen um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Ein guter Trainer lernt nie aus!
  • Schaue über den Tellerrand
    Lerne von anderen Trainern und Coaches, schau Dir die guten Dinge an und lerne aus den weniger guten. Auch ein Blick auf andere Sportaren und deren Trainer/Coaches kann dabei behilflich sein.

Fazit:
Ein guter Trainer oder Coach kannst Du nur werden, wenn Dir Dein Ego nicht im Weg steht. Du musst wissen wovon Du redest und solltest sämtliche Grundlagen und Techniken selber beherrschen, bevor Du sie jemandem vermittelst. Sport frei!

 

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