… und dann passiert plötzlich nichts mehr
Nach drei Jahren war ich endlich angekommen. An dem Plateau, an dem rein gar nichts mehr ging. Natürlich hatte ich mal wieder zugenommen und nicht nur an Muskeln, meine schon nicht allzu gute Ausdauer hat sich irgendwo auf der Strecke verabschiedet und neue PRs wollten auch nicht mehr so recht aus ihren Verstecken kriechen.
Weihnachten und Neujahr standen vor der Tür. Was lag da näher, als sich gute und neue (?) Vorsätze für das kommende Jahr zu überlegen, die man dann nach einigen Wochen eh wieder verwarf.

Was sollte ich tun?

Mal wieder einem der zahlreichen Trainingsprogramme folgen, die im Internet zu finden sind? Hm.. nicht schon wieder. Meinen eigenen Trainingsplan schreiben? Ähh… ne, das dauert viiiiiel zu lang. Einen anderen meinen Plan schreiben lassen? Hm.. warum nicht… ja, das ist eine gute Idee.
Und wer sollte das besser können, als die Person, die einen manchmal vielleicht besser kennt, als man sich selbst. Was ein Zufall (haha), dass meine bessere Hälfte sein Hobby zum Beruf gemacht hat und nicht nur CrossFit Trainer sondern auch Personal Trainer geworden ist.
Jetzt konnte ich auch die unbeliebte Frage, was ich mir denn zu Weihnachten wünschte, mit „10 Wochen Personal Training (PT) inklusive Trainingsplan“ beantworten. Patrick zögerte erst und fragte sich und auch mich, ob ich das ernst meinte. Nach einigem Hin und Her hat er sich dann überzeugen lassen, dass er für mich die beste Wahl sei. Weihnachten kam und ich hielt einen 10 Wochenplan in meinen Händen. Ach du meine Güte, was hab ich mir bloß dabei gedacht. o.O Gleich die erste Woche führte mir vor Augen, dass ich nicht fürs Laufen, geschweige denn andere längere Cardio-Einheiten, gemacht war. Aber ich wollte es ja so. Also ging ich u.a. Schwimmen (2,5 km) und Laufen (5 km). Den ersten Trainingstag in der Woche machte ich unter Anleitung (PT), drei weitere alleine. Innerlich fluchte ich oft. Wie sollte ich das nur 10 Wochen durchhalten?

Und plötzlich war die letzte gemeinsame Stunde da. Zu meinem Missfallen musste ich das Workout, welches exakt dasselbe wie in meiner ersten Trainingseinheit war, wiederholen:

30-20-10 

Wall Balls @ 14 lbs 

Dumbbell Snatches alternating @ 8 kg (Woche 1), 10 kg (Woche 10) 

Burpees 

13 Minuten und 34 Sekunden habe ich in der ersten Woche gebraucht. Patrick wollte wissen, was diesmal mein Ziel war. Ich dachte, unter 12 Minuten wäre schon irgendwie machbar. Als ich die letzte Runde Dumbbell Snatches hinter mir hatte, hörte ich Patrick rufen, ich hätte noch 35 Sekunden… WAAAS… Hilfeeee… Ok. Gas geben. Meiner Kräfte beraubt, lag ich nach dem zehnten Burpee schnaubend und nach Luft schnappend auf dem Boden. Ein breites Grinsen erschien über mir. „Was war dein Ziel? Unter 12 Minuten? Tja, nicht unter 12, sondern unter 11. 10:56!“ Verwirrung machte sich breit, bis die Nachricht langsam zu meinem nach Sauerstoff schreienden Hirn vordrang. Oha… um 2 Minuten und 38 Sekunden verbessert.

Weitere PRs: 

Snatch: +6kg
Clean&Jerk: +2,5kg (was meinem schwachen Front Squat geschuldet ist)
CFG Open WOD 14.5: 5:48 Sekunden schneller als 2014
Fran: keine Ahnung, wie viel, aber schneller 😉

Cardio-Einheiten stehen auch jetzt nach dem Trainingsplan auf meinem wöchentlichen Pflichtprogramm und spätestens jede zweite Woche gehe ich sogar (freiwillig?!) laufen. 🙂

Mein Fazit: 

Würde ich es wieder machen? Auf jeden Fall. Würde ich es weiter empfehlen (auch, wenn der Trainer nicht mein Freund wäre)? Wenn der Trainer Ahnung hat, definitiv.
Fakt ist, wenn man mit dem allgemeinen Training nicht mehr weiterkommt, man ein gewisses Ziel hat, welches man nicht alleine erreichen kann oder möchte, oder aber einfach was Neues braucht, ist man mit Personal Training gut bedient. Es ist immer jemand da, der einen motiviert, fordert, korrigiert. Ein guter Trainer sollte helfen, die eigenen Schwächen zu minimieren und zeitgleich die Stärken zu fördern.

Das Fazit von meinem Trainer Patrick Funk:

Das Training mit Emely hat sehr viel Spaß gemacht. Grundlegend geht es mir bei einem Personal Training genau darum, den Athleten dort abzuholen, wo er steht, ihn durch das Training zu fordern und nicht zu überfordern. Hierbei sind mir an erster Stelle saubere Ausführung und gute Koordination zwischen den Bewegungen sehr wichtig. Beherrscht z.B. jemand die leere Langhantel, kann er auch sein 1 RM bewegen, ohne unechte Hebelverhältnisse aufkommen zu lassen. Emely ist eine Athletin, die schon sehr lange trainiert und mir eine sehr gute Ausgangsposition geboten hat. Denn sie hat offensichtliche Schwächen ausgelassen, nicht gesehen oder unterbewusst verdrängt, wie das, glaube ich, jeder Athlet an einem gewissen Punkt macht. Genau hier anzusetzen und den Athleten zu unterstützen, sollte die Aufgabe jedes Trainers sein. Da bei ihr nahezu alle Bewegungen sehr gut saßen, war eine meiner Hauptaufgaben die Bewegungsoptimierung und eine Konstanz ins Training zu bringen. Emely lernte schnell die Tipps umzusetzen und das Chaos im Kopf, das entsteht, wenn man trainiert: „Passt der Zug; stehe ich richtig; ist die Ausführung gut; das fühlt sich komisch an; soll ich jetzt schon Pause machen oder erst später“, auszublenden. Denn dass sie ihren Kopf frei hat, dafür bin ich als Trainer da. Genau mit dieser Basis haben wir ein super Ergebnis erreicht und das neu erlernte hat sich so gefestigt, dass sie es ab sofort auch alleine bewältigen und abrufen kann, um auch in eigenen Trainingssessions wieder weiter zu kommen. Dass Emely meine Freundin ist, spielte hierbei keine Rolle. Auch sie musste Strafburpees machen, wenn sie einmal nicht konzentriert war oder nicht auf den Trainer gehört hat. Sehr erfolgreiche 10 Wochen mit dem Ziel eine gute Basis zu schaffen.