„Kniebeugen? Echt jetzt? Gar keine Kniebeugen? Wirklich????“

„Nope.“

„Nicht mal ohne Gewicht? Nur Airsquats.“ *machteinenvor*

„Nö, wirklich nicht.“

„Bisschen Kreuzheben?“

„Nope.“

„Und nur so locker mitmachen? Also gar nicht wirklich soooooooo doll anstrengend.“

„Nein, auch nicht, gar nicht, überhaupt nicht. Nicht, nicht, nicht! Außerdem haben Sie Laufverbot.“

„Und Walking? Habe ich jetzt mal einen Tag so als Ersatz gemacht.“

„Auch Walkingverbot. Aquajogging! Aquajogging können Sie machen. Keine Stoßbelastung!“

„Wirklich? Aquajogging?“

„Ich sagte nicht, dass es leicht wird!“

Die Schultern fallen nach unten, die Unterlippe schiebt sich vor, ein Wasserfall beginnt sich den Weg aus meinen Augen zu bahnen. Bevor ich aber mal wieder zum Klageweib werde, nimmt ein anderer Gedanke den Memmenplatz ein. Wer hätte das gedacht? Vor nicht allzu langer Zeit, hätte ich mir zu solch einem Zeitpunkt ein Medikament verschreiben lassen und mit den Worten: „Kann nich‘, bin krank, leide schrecklich.“ erstmal jede zukünftig geplante Trainingseinheit gecancelt. Noch mit dem Gedanken, dass ich ja vielleicht dies oder jenes zuhause machen könne, so vor dem Fernseher oder so. Umgesetzt habe ich das natürlich nicht. Nach spätestens drei Tagen Wunden lecken war ich wieder im alten Trott und habe wie schon zuvor jede Bewegung vermieden. Bin ja krank. Kann ja nicht. Dann kam der Sportclub und CrossFit und meine spät entdeckte Liebe zur Langhantel. Und im letzten März eine Verletzung, die bis heute nicht so recht verschwinden will. Schon damals fielen mir die verordneten drei Wochen Sportpause so schwer wie nichts anderes. Natürlich habe ich nach der Pause Vollgas gegeben. Anfängerfehler. Also wieder die Handbremse anziehen und wieder Gas geben und dann wieder den Gang raus. Mit Besuchen bei unzähligen Spezialisten, alles leider ohne so richtige Verbesserung bis jetzt. Weswegen ich jetzt wieder einen Arzt aufsuche und das oben stehende Gespräch führe. Danach weine ich trotzdem noch etwas. Weil ich so doof war und weil das alles so ungerecht ist und weil ich doch so gerne will und nicht kann.

Im Nachhinein möchte ich meinem Letztem-März-Ich gerne sagen, dass es bitteschön nicht zu irgendeinem Fitness-Test antreten muss, nur weil das Ego sagt, dass man dabei gewesen sein muss. Genau dieser Caro will ich auch sagen, dass man sich nicht einen Tag vor dem Urlaub noch eine Spritze beim Orthopäden abholen muss, damit man überhaupt noch gehen kann. Wenn man es nämlich so weit gebracht hat, macht man mit seinem Körper grundlegend etwas falsch. Ich möchte sagen: „Liebe Caro, Du bist jahrelang nur rumgedümpelt, deswegen verstehst Du leider nicht so ganz wo die Grenzen Deines Körpers sind. Du bist nämlich leider nicht in der Lage zwischen Muskelkater und Totalausfall zu unterscheiden. Hör‘ jetzt endlich mal auf den Arzt, lass die ganzen Wettkampfpläne mal bleiben und tritt zum Regenerationswettkampf an.“

Statt dessen habe ich mir aus falschem Ehrgeiz das komplette letzte Jahr versaut und mich zu noch mehr Unternehmungen angemeldet. Jetzt habe ich den Salat. In der Box machen alle anderen tolle WODs während ich dehne, regeneriere, jede Stoßbelastung vermeide und mich brav an den Plan des Coaches halte, der glücklicherweise großes Verständnis für mein ehrgeiziges und zorniges Ich aufbringt und sich jedesmal aufs neue mein Gejammer anhört. Die übrige Zeit verbinge ich beim Physiotherapeuten, der geduldig versucht die falschen Bewegungsmuster, die ich mir beim Laufen antrainiert habe, in etwas brauchbares umzuwandeln.

In der nächsten Zeit wird es von mir also keine Berichte von neuen Rekorden geben. Wahrscheinlich werde ich auch nicht von wahnwitzigen Stunts berichten, die ich unfreiwillig hinlege. Wobei ich es ganz sicher auch noch bei der ein oder anderen Mobilty-Übung noch schaffe Positionen einzunehmen, die noch kein Mensch vorher je gesehen hat. Was ihr demnächst von mir lesen werdet sind Beiträge zum Thema Regeneration, zum Durchhalten, wenn es nicht so läuft (oder eher gar nicht mehr läuft). Wie das Leben eben so ist, wenn man Anfängerfehler macht und nicht auf die Coaches hört und dann am Ende mit bebender Unterlippe im Untersuchungszimmer steht.

Und ja, ich mache jetzt Aquajogging. Echt jetzt? Echt jetzt!

Ein Beitrag von Carola Bopp

Caro’s Blog findet ihr hier

Weitere Beiträge von Caro:
Rachegedanken 
Der Weg ist das Ziel
Keine Chance

Über Caro:
Nach Jahren der Untätigkeit habe ich es geschafft etwas Gewicht zu verlieren und hatte in 2011 Jahr eine Bauchdeckenplastik. Dabei wurde eine Rektusdiastase korrigiert und der Nabel neu eingesetzt. Mir fehlt heute noch das Gefühl um den Bauchnabel und im oberen Bereich des rechten Oberschenkels. Was mich monatelang dazu gebracht hat, untätig rumzujammern oder eher lustlos Sport zu treiben, lässt mich heute kämpfen. Immer gegen mein Ich von gestern. Ich möchte anderen Mut machen, es auch zu versuchen.

 

Bildquelle: http://www.desedentarioamaratonista.com/2013/11/05/tendencias-seguir-em-2014/#.VMN5rMbl1d0