von Christopher Vogel

CrossFit – Forging Elite Fitness , also die Schmiede von Fitness auf Elite-Niveau. Passend dazu erhält der Gewinner der CrossFit Games den Titel “Fittest on Earth”. Das ist nicht gerade zurückhaltend und in meinen Augen mit ein Grund, wieso CrossFit die Gemüter so spaltet.

Aber fangen wir von vorne an: Was ist CrossFit überhaupt?
Hier zitiere ich einfach mal direkt von Crossfit.com:

„CrossFit is the principal strength and conditioning program for many police academies and tactical operations teams, military special operations units, champion martial artists, and hundreds of other elite and professional athletes worldwide.

Our program delivers a fitness that is, by design, broad, general, and inclusive. Our specialty is not specializing. Combat, survival, many sports, and life reward this kind of fitness and, on average, punish the specialist.

The CrossFit program is designed for universal scalability making it the perfect application for any committed individual regardless of experience. We’ve used our same routines for elderly individuals with heart disease and cage fighters one month out from televised bouts. We scale load and intensity; we don’t change programs.

The needs of Olympic athletes and our grandparents differ by degree not kind. Our terrorist hunters, skiers, mountain bike riders and housewives have found their best fitness from the same regimen.“ 

Man wird also nicht Spezialist einer Sportart, sondern in vielen verschiedenen Sportarten gut bzw. besser. Spezialeinheiten, Kampfkunst-Champions und Elite-Sportler trainieren nach dieser Trainingsmethode und ich kann es als Normalsterblicher einfach auf meine Bedürfnisse und Fähigkeiten anpassen, weiterhin aber demselben Programm wie die Elite folgen.

Darüber hinaus ist Crossfit „a strength and conditioning system built on constantly varied, functional movements executed at high intensity“ – also ein Kraft- und Konditionierungsprogramm auf Grundlange ständig variierender, funktionaler Bewegungen, die bei hoher Intensität ausgeführt werden.

Das klingt doch gut, das erste Problem daran ist: CrossFit ist anders! Was anders ist, ist meist erst einmal schlecht. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und da kommt dieser neue Sport mit großen Tönen und vollmundigen Versprechen daher. Das eckt an.

Zum Teil zu recht! Konstante Variation ist gut um das Ziel der breit gefächerten Fitness zu erreichen, trotzdem sollte erwähnt werden, dass es auch beim CrossFit Eckpfeiler bedarf, an denen konstant und nur konstant gearbeitet werden muss um Fortschritte zu erreichen.

Ein großes Problem in meinen Augen stellt Kipping dar. Vieles wird im Kipping-Stil ausgeführt: Kipping Pull-Ups, Kipping Handstand Push-Ups, Kipping Ring-Dips usw. Und Kipping ist nun mal nicht strikt, also wird hier im Auge anderer Sportler – gerade aus den Kraft- und Bodybuildingbereichen – geschummelt – sprich die Bewegung ist nichts wert aus der alt bekannten Sicht, denn dort zählt nur eine sauber ausgeführte und kontrollierte Bewegung.

Diese Sichtweise ist auch nicht komplett falsch, man muss jedoch das Ziel beachten, welches hinter dieser Ausführung steckt beachten. Möchte ich eine Bewegung lernen und die Grundlagen schaffen, in dieser Übung stark werden und dadurch Muskeln aufbauen, dann macht es Sinn strikt und kontrolliert zu arbeiten.

Bist du aber in einem Wettkampf und sollst auf Zeit so viele Handstand Push-Ups wie möglich machen oder 30 Chest-to-Bar Pull-Ups, dann machst du die nicht strikt (es sei denn das Regelwerk sieht das vor) oder gehst unter bei dem Versuch.

Und eine Kipping-Bewegung ist alles andere als geschummelt. Wer dies behauptet, der darf gerne mal ein paar Butterfly-Pull-Ups vorführen. Dazu bedarf es einer nicht allzu kleinen Portion an Körperbeherrschung und Koordination um die Kraft, die meist aus der Hüfte generiert wird zu erzeugen und zu kontrollieren. Nichts desto trotz werden die wirklich guten CrossFitter eben diese Übungen auch strikt hervorragend beherrschen, denn was dich jeder (gute) Trainer lehrt (lehren sollte) – ist die Reihenfolge erst strikt dann kipping!

Es gibt außerdem unzählige CrossFit-Fail-Videos im Netz die den Hohn, den Spott und die Abneigung schüren. Doch dies ist kein Phänomen welches nur CrossFit betrifft.

Es gibt (leider) genügend Leute, die die Übungen falsch ausführen, genügend Trainer die die Übungen falsch lehren und Wettbewerbe auf denen auch mal eine unsaubere Ausführung als gültig erklärt wird. Auch harmlos erscheinende Sportarten wie Joggen rufen jährlich auf Grund falscher Lauftechnik etliche Beschwerden in Gelenken und Bändern hervor. Macht das nun CrossFit besser oder weniger schlecht? Nein, aber man sollte nicht Cherry-Picking betreiben um sich darüber lustig zu machen, sondern schauen wie man an der Situation etwas verändern kann z.B. durch Tipps und Hilfestellung.

Dann ist da noch Paleo – der Ernährungs-Trend dem scheinbar gefolgt werden muss, will man angesehen werden in der CrossFit-Gemeinde. Ist das wirklich so?

Ganz ehrlich, ich konnte der Paleo-Ernährung bisher auch noch nicht allzu viel abgewinnen. Ich habe mich etwas damit auseinander gesetzt, befolge selbst aber lieber eine ausgewogene Mischkost-Ernährung im Stile von “If it fits your macros”, da dies für mich funktioniert und leichter in meinen Alltag zu integrieren ist. Das Ganze paare ich mit Lebensmitteln, die ich mit Bedacht kaufe (Eier aus Freilandhaltung, Milch und Käse von Weidetieren, nicht das billigste Fleisch). Das funktioniert für mich und einige in meinem Umfeld, bedeutet aber nicht, dass Paleo deshalb nicht funktioniert. Dazu ist jeder Mensch zu verschieden.

Paleo ist daher grundsätzlich nicht schlecht bzw. nicht schlechter oder besser als andere Ernährungsformen. Ob jemand aus ethischen Gründen kein Fleisch oder keine Tierprodukte verzehrt, ein anderer auf Grund einer Unverträglichkeit keine Milch- oder Glutenprodukte in seine Ernährung integriert oder man eben auf Grund seines allgemeinen Wohlbefindens oder seiner Vorliebe sich für eine Ernährungsform entscheidet. Jeder hat seine Gründe und wenn sich die Menschen dank CrossFit und Paleo mit Ihrer Ernährung, Ihrem Körper und Ihrem Wohlbefinden beschäftigen, dann ist das viel mehr Wert, als die Menschen die unbedacht irgendwelche Fertigkost und Fast Food in sich hinein schaufeln und über Paleo lächeln.

Also ist CrossFit doch nicht so schlecht? Nein, ist es nicht! Ein weiteres, abschließendes Beispiel: In letzter Zeit stelle ich vermehrt fest, wie Leute anfangen freie Übungen in Ihr Training einzubauen und die Grundübungen auszuführen. Auch das Gewichtheben kommt wieder viel mehr hervor, das hab ich bei mir selbst gemerkt. Das Interesse an dem Sport war vorher gegen Null und seit ich mich mit CrossFit befasse bin ich fasziniert davon.

Natürlich kann man diese Bewegung nicht nur dem CrossFit gutschreiben, aber dieses trägt sicher auch einen nicht unerheblichen Teil dazu bei.

CrossFit ist weit weniger schlecht, als viele wahr haben möchten, hat genau wie jeder andere Sport auch seine Stärken und Schwächen, also verurteile nicht, sondern picke das positive für dich heraus und helfe denen, die etwas falsch machen, anstatt dich über sie zu stellen.

 

Über den Author:
Christopher ist 23, macht seit Frühjahr 2014 CrossFit und war davor bereits über 6 Jahre im Fitness und Bodybuilding sportlich unterwegs. Ein spezielles Lieblings-WOD hat er bisher nicht, „Volkswagen“, „Grace“ und „Diane“ sind in seinem Ranking aber weit vorne. Neben dem Sport arbeitet er Vollzeit in der IT-Branche und betreibt seit Anfang des Jahres einen eigenen Blog unter www.vogel-fitness.de

Bildquelle: http://shechive.files.wordpress.com/2013/10/cross-fit-3.jpg