Hi Björn!
Hi!
Erzähl uns doch einmal, wie Du CrossFit für Dich entdeckt hast.
Ich habe ursprünglich Leichtathletik gemacht, hier beim DSC in Dresden, hatte dann allerdings eine Verletzung und bin über den Kraft-Dreikampf zu den Gewichthebern gekommen. Dort hatte ich einen guten Freund, der mir ein Video von den CrossFit Games gezeigt hat. Ich war unheimlich beeindruckt von der Leistung der Athleten und habe mir gedacht, geil, das ist es! Denn mir war das Krafttraining beim Kraft-Dreikampf und auch beim Gewichtheben schon immer zu einseitig. Daher hatte ich selbst schon angefangen ein bisschen nach dem Prinzip zu trainieren, weil ich auch andere Facetten abdecken wollte. Also hab ich angefangen, mich peu á peu über Videos und Webseiten schlau zu machen.
Über welchen Zeitraum hast Du Dich vom Gewichtheber zum CrossFitter zum Box Owner entwickelt?
Das war im Sommer 2011, daraufhin hab ich im Herbst 2011 meinen CrossFit Level 1 Trainerschein gemacht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich bereits mit dem Hintergedanken gespielt, eine Box zu eröffnen, was sich allerdings als schwierig herausstellte. Wir mussten sehr lange nach einer geeigneten Immobilie suchen, wo wir CrossFit mit allem drum und dran machen können – also Deckenhöhen, Lasten fallen lassen und Lärm. Aber im Herbst 2013 war es dann soweit und wir konnten unsere Box hier in der Großenhainer Strasse eröffnen.
Was für einen Effekt hatte die Trainingsumstellung vom reinen Gewichtheben auf CrossFit auf Deine Leistung und Deine Physis?
An CrossFit finde ich einfach phänomenal, dass sich meine Kraftwerte verbessert haben, obwohl ich eigentlich gar kein klassisches Krafttraining mehr mache. Gleichzeitig haben sich meine Ausdauerwerte enorm verbessert. Das ist schon faszinierend, was man mit dieser Art von Training erreichen kann. Gewichtsmäßig hat sich bei mir eigentlich nichts verändert. Auch der Körperfettanteil ist gleich geblieben. Das ist bei mir irgendwie genetisch festgelegt, was ich wiege (lacht). Ansonsten merke ich die Veränderung in der Physis. Damals, als ich noch Kraft-Dreikampf gemacht habe, konnte ich nur schwer mit meiner Frau mithalten, wenn wir vier bis fünf Stunden wandern gingen. Nun ist meine Frau auch sehr gut. Sie ist bereits zu Fuß über die Alpen gewandert, aber dennoch ist sie mir stets „davon gelaufen“. Seit dem ich CrossFit mache, kann ich mithalten.
Da freut sich die Frau?
Da freut sich die Frau!
Verrätst Du uns, worin Du besonders gut bist und wo Deine Schwächen im Training liegen?
Besonders gut bin ich im Kreuzheben. Das verdanke ich meinen Proportionen. Ich bin sehr groß und habe lange Arme. Dementsprechend fallen mir alle Übungen, die reißen und ziehen beinhalten, leicht.

Weißt Du Deinen 1RM?
Den habe ich lange nicht getestet. Aber ich schaffe 220 kg mal 5 Wiederholungen, also schätze ich 240 – 250 kg.

Bei welchem Gewicht?
90 kg.
Zurück zu Deiner Frage. Schwer tue ich mich mit Workouts, die über 15 Minuten gehen. Das geht mir ganz schon die Pumpe. Ansonsten würde ich mich gerne bei Körpergewichtsübungen verbessern, z.B. Kreuzhang an Ringen oder Handstand Push- Ups Free. Das ist im Übrigen auch das, was ich an CrossFit so toll finde: Es ist so vielseitig! Ich musste seilspringen wieder ganz neu lernen. Was in der Grundschule völlig normal war, hatte ich völlig verlernt.

Du bist ja einer der CrossFit Pioniere in Dresden. Wie hat sich die Community aus Deiner Sicht entwickelt?
Es gibt einen kleinen Kreis, die CrossFit wirklich leben. Die Youtube-Videos gucken, die wissen, wie die Games Athleten heißen. Aber das ist wirklich ein sehr kleiner Kreis, der auch nur sehr langsam wächst. Die meisten machen es einfach, weil ihnen das Training gefällt. Aber es ist (noch) nicht so, dass sie CrossFit mit allem drum und dran leben. Der Kreis der eingeschweißten CrossFit-Athleten kann man an einer bzw. zwei Händen abzählen. Da tut sich Dresden noch ein wenig schwer.

Wie sieht denn eigentlich Dein eigener Traininsplan aus? Bereitest Du Dich auf die Games vor?
Ich mach es eigentlich nur hobbymäßig, obwohl ich im Hinterkopf schon das Ziel fokussiere, einmal zu den Regionals zu kommen. Das ist allerdings nicht so einfach, weil das Niveau sehr hoch ist und von Jahr zu Jahr steigt. Ich bin da aber realistisch. M0it der Leistung, die ich heute bringe, hätte ich sicherlich Chancen vor zwei oder drei Jahren gehabt. Aber mittlerweile ist das Niveau einfach zu hoch. Hinzu kommt, dass ich noch einen Vollzeitjob neben der Box habe und ich mit über 30 Jahren einfach mehr Zeit für die Regeneration benötige, sodass es teilweise schon am Zeitmangel scheitert.

Wie schaut es mit Deiner Ernährung aus? Folgst Du einem bestimmten Prinzip?
Ich probiere, die Zone als Basis einzuhalten. Jeder Sportler achtet ja schon auf seine Ernährung und ich versuche möglichst natürliche Lebensmittel zu essen, die möglichst wenig bearbeitet sind. Ich esse allerdings auch viele Vollkornprodukte wie Brot und Nudeln. A0ber sonst probiere ich möglichst unverarbeitete Lebensmittel zu konsumieren.

Nimmst Du Supplements zu Dir?
Ich nehme Eiweißpulver und Creatin.

Was für einen Rat würdest Du einem brandneuen CrossFit-Athleten geben?
Es kommt jetzt immer darauf an, ob er vorher Sport gemacht hat oder nicht. Für jemanden, der keinen Sport getrieben hat, empfiehlt sich, sich erst einmal an das intensive Training zu gewöhnen. Klar geht es auch darum, Techniken zu erlernen aber in erster Linie muss sich der Körper an die Belastung gewöhnen. Sehnen und Bänder brauchen einfach ihre Zeit. Auch wenn sich der Körper augenscheinlich muskulär bereits angepasst hat, braucht der passive Bewegungsapparat doch einfach länger. Jemand, der bereits sportlich ist, kann natürlich besser einsteigen. Aber auch hier empfehle ich, das Training zu dosieren. Kein Profisportler trainiert jeden Tag auf 100 Prozent0. Ein 1000 Meter-Läufer wird sich hüten, jeden Tag 800 Meter auf Anschlag zu laufen. Wenn man CrossFit als Sport machen möchte, sollte man gezielter trainieren und nicht immer auf Vollgas.

Björn, vielen Dank für das Interview – die letzten Worte gehören Dir!
Ich finde es erst einmal toll, dass Ihr hier seid und das Interview mit uns macht. Das freut mich! Ich würde mir wünschen, dass CrossFit in Dresden und Deutschland bekannter wird. Ich habe mir auf jeden Fall vorgenommen, zukünftig auch mehr Boxen zu besuchen.

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